Oberösterreich – Im Bann von Krieg und Besatzung

So, 29. Okt 2017


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Oberösterreich – Im Bann von Krieg und Besatzung

PREMIERE

Universum History
Oberösterreich – Im Bann von Krieg und Besatzung

Premiere des in Freistadt gedrehten ORF-Dokumentarfilms

In Anwesenheit von Regisseurin Sabine Derflinger und Autor Thomas Baum

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Eine besondere Geschichte – jene der Familie Kohlberger – aus dem Bundesland Oberösterreich erzählt von einer besonderen Regisseurin Oberösterreichs –, das bietet der sechste Teil der „Universum History“-Zeitgeschichte-Reihe „Unser Österreich“. Regisseurin Sabine Derflinger („Vorstadtweiber“) liefert nach einem Buch von Thomas Baum („Rosenheim-Cops“) ein berührendes Familienporträt aus der Grenzlandregion des Mühlviertels.

Wenn es in Österreich eine Region gibt, die gleich mehrfach mit elementaren Grenzziehungen konfrontiert war, dann ist es das oberösterreichische Mühlviertel. Hier ist die Heimat der Familie von Ferdinand Kohlberger, die als Betreiber eines Gasthauses in Freistadt die Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts hautnah miterlebte: die Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg, die Zonengrenzen in der Besatzungszeit, den Eisernen Vorhang im Kalten Krieg. Besonders prägend ist die Zeit nach 1945: Mit der Besetzung durch die Rote Armee steht plötzlich die Zugehörigkeit des Mühlviertels zu Oberösterreich und damit auch zu Österreich infrage. Viele fürchten, nun Teil eines anderen Staates zu werden. Das war schon einmal so, nach dem Ersten Weltkrieg, als die nördlichen Landesteile des einstigen Kronlands der Donaumonarchie an die Tschechoslowakei fielen.

Möglich ist dieses Szenario auch deshalb, weil das Nachkriegsösterreich unter den Besatzungsmächten aufgeteilt ist. Diese Zonengrenzen sind in Oberösterreich besonders bedeutsam, hier grenzt die amerikanische an die sowjetische Zone – die westliche Welt an den Kommunismus. Das Mühlviertel als Teil der Sowjetzone ist damit im Brennpunkt der Weltpolitik – mitten im Kalten Krieg – und bedroht von der dauerhaften Okkupation durch die Rote Armee.

Der heute 84-jährige Ferdinand Kohlberger und seine Frau Brigitte haben selbst fast ein Jahrhundert Geschichte miterlebt: die Kindheit mitten im Existenzkampf der Ersten Republik – mit Armut, Hunger und politischen Repressalien. Die Jugend vereinnahmt von NS-Zeit und letztem Aufgebot des Zweiten Weltkriegs, aber auch traumatisiert von den Übergriffen der Sowjetbesatzung. Als Eltern bangten sie um ihre Kinder und deren Zukunft in der Zeit des Kalten Krieges, als das Mühlviertel eine gefährliche Grenzregion war und gleich neben Freistadt der Eiserne Vorhang den Westen vom Ostblock trennte – eine gefährliche Systemgrenze. Mit Kindern und Enkelkindern genießen sie nun die Öffnung der Region durch das Ende des Kommunismus und den EU-Beitritt Österreichs und Tschechiens.

Mit Spielszenen, ins Bild gesetzt von Kamerafrau Eva Testor, einzigartigen Amateurfilmen aus Freistadt, bewegenden Interviews und den Kommentaren des Lokalhistorikers Fritz Fellner macht der Film von Sabine Derflinger begreifbar, wie sich die Menschen im Mühlviertel trotz der einschneidenden Ereignisse des 20. Jahrhunderts in ihrer Heimat, die ihnen so viel bedeutet, behaupten konnten.

Regisseurin Sabine Derflinger: „Für mich als Oberösterreicherin war es wunderschön, in meinem Heimatland und im Dialekt zu drehen. Als Regisseurin steht für mich der Mensch und sein gewachsenes Umfeld im Mittelpunkt. Ohne den historischen Aspekt kann es kein bewusstes Hier und Jetzt geben. Ich möchte mich besonders bei den wunderbaren Protagonistinnen und Protagonisten, die uns ihre Lebensgeschichten erzählt haben, bedanken.“

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Tickets: www.kino-freistadt.at