LEBEN OHNE FASSADE

Mi, 05. Mai 2010


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LEBEN OHNE FASSADE

LEBEN OHNE FASSADE

Dokumentarfilm, AT 2010, 80 min, OmenglU, R: Dieter Strauch

Auf äußerst charmante, intelligente und amüsante Art fordern die ProtagonistInnen den ihnen gebührenden Respekt in ihrem Streben nach Selbstständigkeit und Selbstbestimmung ein. Denn in Leben ohne Fassade werden fünf Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung in ihrem außergewöhnlichen Lebensalltag porträtiert.

Nicht die Beeinträchtigung oder Krankheit steht dabei im Zentrum des Filmes: die Menschen und ihre Persönlichkeiten nehmen den Fokus ein. Keine Außensicht relativiert oder lenkt von den Handlungen und Ansichten dieser Frauen und Männer ab. Dabei werden Themen wie ihre Beeinträchtigung, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen, Sexualität und Arbeit von ihnen kommuniziert. Diese Menschen haben Hobbys und Probleme, lieben und hassen Dinge, haben viel erlebt und überraschen den Zuschauer immer wieder mit ihren Talenten und Ansichten. Große Erfolge werden zu kleinen Anekdoten, Alltägliches zu Außergewöhnlichem und die Werte unserer Gesellschaft massiv in Frage gestellt. Das tägliche Scheitern an den kleinen Dingen des Lebens, die für die meisten Menschen zur Selbstverständlichkeit gehören, zeigt die psychische und physische Anstrengung, die ein Leben mit Beeinträchtigung jeden Tag aufs Neue fordert: Türen öffnen, Stiegen steigen, rechnen, schreiben… Wie lebt sich ein Leben, in dem man mit elf Jahren gehen lernt und erst mit knapp zwanzig Jahren selber essen kann? Ein Leben, in dem man nie ernst genommen wird? Immer als Mensch zweiter Klasse mitleidig betrachtet wird? Wie ist es, wenn man Tag für Tag angestarrt wird? Wenn man ein Leben lang wie ein Kleinkind behandelt wird? Beeindruckend zeigen diese Menschen, was es heißt, zu „leben“.

Die ProtagonistInnen nahmen auch an zwei Theaterproduktionen teil – „Tourguide“ der australischen Theatermacher „Back to Back Theatre“, präsentiert beim integrativen Theaterfestival „sicht:wechsel“, und bei „Der lange Weg ins Jetzt“, einer Eigenproduktion des Theater SoundSO Grein – bei beiden Stücken wurde der Inhalt des Stückes mit den Darstellern gemeinsam erarbeitet und spiegelt ihr Leben, ihre Entwicklung und ihre Wahrnehmung der Gesellschaft, bzw. ihre Wünsche wider. Dabei wurden die ProtagonistInnen bei der Probenarbeit und der Aufführung mit der Kamera begleitet und dieses Material in die Montage des Filmes zur Verdichtung des Inhaltes mit eingearbeitet. Leben ohne Fassade zeigt das Leben der ProtagonistInnen in Episoden und Ausschnitten. Walter, 63 Jahre alt, erinnert sich mittels der von ihm selbst gedrehten Super-8mm-Filme an die Zeit seiner Jugend. Julia gewährt Einblick in die komplexe Lebenssituation einer jungen Frau, hin und her gerissen zwischen Lebenslust und Frustration, Erfolg und Zurückweisung. Klaus zeigt dem Betrachter, was es heißt, Erfolge nicht wichtig zu nehmen und sich in einer beispiellosen Bescheidenheit am Leben zu erfreuen. Martin beweist, dass Kommunikation nichts mit Sprechen zu tun haben muss. Und Katharina lässt den Zuschauer an ihrer Hingabe und Freude an den Dingen des Lebens teilhaben. In Leben ohne Fassade werden Episoden aus dem Leben der ProtagonistInnen mittels einer elliptischen Montagetechnik zu einem mosaikartigen Bild verdichtet. Mit respektvoller Distanz gefilmt, überlässt der Film es dem Zuseher, sich sein eigenes Bild zu machen und seine Schlüsse aus dem Gesehenen zu ziehen.

Dieter Strauch legt mit Leben ohne Fassade seinen ersten Dokumentarfilm vor, nachdem er 2007 die international höchst erfolgreiche Dokumentation Queens of Sound von Sandra Krampelhuber produziert und mitgestaltet hat. Davor machte der Regisseur und Produzent sich mit Musikvideos für Texta, Shy, Mono&Nikitaman und vielen anderen österreichischen Bands einen Namen. 2003 präsentierte er seinen ersten Spielfilm Der Kälteeinbruch erfolgreich im Kino.